Der Vortrag vermittelt einen Gesamt-Überblick über die Möglichkeiten zur Realisation individueller Konzepte für Wissens- und Kommunikations-Management mit Drupal. Insbesondere wird auf diverse sehr flexible Module verwiesen, die es ermöglichen, selbst komplexe Webanwendungen ohne Programmier-Kennt- nisse zu erstellen oder zumindest einfacher erweitern und pflegen zu können.
Der Vortrag und diese Notizen wurde im Jahr 2009 konzipiert und 2010 überarbeitet.
Diese Notizen sind als Gesamt-Überblick zum Thema angelegt, inklusive einer frei zugänglichen Link-Sammlung. Diese wird auch außerhalb der Vorträge entsprechend gepflegt und erweitert. In den Vorträgen wurden und werden teilweise je nach Zuhörer- und Zeit-Situationen auch Passagen übersprungen.
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Wenn Verweise in Hypertexten einen bestimmten Kontext benötigen, werden diese oftmals entsprechend beschrieben. In komplexeren Konzepten zum Wissensmanagement würde dies die Lesbarkeit beeinträchtigen. Andere Möglichkeiten der Kennzeichnung oder der „Auslagerung“ aus dem Fließtext wie z. B. mit Fußnoten sind sehr sinnvoll und mit Drupal leicht zu realisieren. Innerhalb von Texten können „Verweise zu Wortbedeutungen“ eindeutigen Kontext herstellen, wie es in Enzyklopädien schon lange vor Wiki-Systemen angewendet wurde. Eine „Assoziative Verknüpfung“ z. B. durch Schlagworte (Tags) können ebenfalls Kontexte herstellen. Auch Referenz- und Bookmark-Listen ermöglichen es, größere Zusammenhänge darstellen und vermitteln zu können. Dieser Ansatz wurde von Vannvar Bush schon 1945 im Memex-Konzept [Bu45] beschrieben. Das Resource Description Framework (RDF)1 als Teil des Semantic Web- Konzepts ermöglicht Meta-Kontexte für Text-Einheiten und andere Medien-Inhalte.
Wie in einer Bibliothek können Inhalte verschlagwortet werden: Inhalte lassen sich damit Quer-verbinden und -finden.
Wissensorganisation über assoziative Pfade in einem medialen Speicher 1945 "As we may think" von Vannevar Bush. Assoziation folgt dem menschlichen Denken.
Am Anfang des WWW gab es ausschließlich statische Informationen auf der Basis von HTML-Dateien oder damit verknüpfter Medien wie z. B. Bilder, die mit Hilfe einer Webserver-Software an Browser ausgeliefert werden. Insbesondere bei Medien-Dateien und die inzwischen vom Text-Content getrennten CSS-Gestaltungsinformationen ist dieses Datei-Konzept aus Performance-Gründen noch sinnvoll. Content-Management nur auf HTML-Dateiebene ist dagegen nicht sehr flexibel. Dafür kann dieses – auch aus Sicherheitsgründen – ferngesteuert von anderen Rechnern erfolgen.
Die dynamische Verwaltung und Zusammenstellung von Inhalten kann nur mit Webanwendungen funktionieren. Neben einer gewissen Vereinfachung der HTML- Erzeugung erfordert z. B. eine Kommunikations-Plattform zwingend die dynamische Generierung und Modifikation von Inhalten. Ausgefeilte Caching-Techniken (die für Drupal verfügbar sind) helfen insbesondere die nötigen Datenbanken zu entlasten. Da Informationen ständig verändert werden können – vor allem in einer gewollten Mehr- Benutzer-Konfiguration, wie z. B. in Foren – bekommt Sicherheit hier eine große Bedeutung. Auch die Verwaltung statischer Medien-Inhalte kann mit Webanwendungen wie Drupal erfolgen.
Grundsatz: Die Sicherheit von Web-Anwendugen erfordert viel Pflege.
Ein Tagebuch dient meistens eher einer privaten Aufzeichnung von Ereignissen, die in der Regel nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. In diesem Sinne ist "Tagebuch" keine gute Übersetzung für Blog (Web-LOG), das ja primär auf eine Veröffentlichung zielt. Im Sinne der Sicherheit privater Informationen stellt allerdings jede Aufzeichnung ein potentielles Risiko dar.
Drupal bietet sehr viele Möglichkeiten zur sozialen Organisation von Benutzern. Angefangen bei einem Rollen- und Rechte-Management gibt es diverse Möglichkeiten, soziale Beziehungen (z.B. Freundeslisten) darzustellen. Die Möglichkeit offene Gruppen oder geschlossene Teams zu bilden bietet z. B. das Modul Organic Groups. Diese Gruppen lassen sich wiederum mit Lese- und Schreibrechten zu verknüpfen. So ist z. B. Redaktions-Workflows oder eine kooperative Inhalts-Bearbeitung möglich.
Durch die Organisation und Präsentation von Wissen im Internet bekommt die technische Zugänglichkeit dazu eine massive Bedeutung, insbesondere, wenn man ein Recht auf Bildung als das „Recht auf die totale Beteiligung an dem erreichten Weltwissen“ [Ba93, S. 5] versteht. Zur Aufrechterhaltung des Server-Betriebs und der Webanwendung – nebst Anbindung an das Internet – ist zunächst die Zugänglichkeit der Inhalte (Barrierefreiheit) von Interesse, für die es zum Teil auch rechtliche Vorschriften gibt3. Bezüglich interaktiver Web-Anwendungen und dem Trend zu Social Media wird auf den zunehmend auch die Zugänglichkeit der Funktionen bedeutsam4
3 In Deutschland z.B. im BITV geregelt: http://www.gesetze-im-internet.de/bitv/index.html
4 Siehe z.B. „BIENE nimmt Forschungssemester“: http://www.einfach-fuer-alle.de/biene-2008/#biene08-pm01
Suchmaschinen-Optimierung (SEO) und Drupal:
Zu Vorschriften des Staates bezüglich Barrierefreiheit siehe das im BITV in Deutschland: http://www.gesetze-im-internet.de/bitv/index.html
Für Usability in Social Media siehe z.B. „BIENE nimmt Forschungssemester“ (http://www.einfach-fuer-alle.de/biene-2008/#biene08-pm01)
Die materielle Welt erfordert häufig hierarchische Ablagen z.B. Kartei-Kästen. Überschriften und Unterüberschriften:
Häufig auch sinnvoll für Navigation, für die man das Taxonomie-System neben anderen Möglichkeiten auch nutzen kann.
In Texten können Überschriften, Listen und andere sinnvollen HTML-Auszeichnungen mit WYSIWYG-Editoren eingefügt werden. Für die Verwaltung von Meta-Tags (Autor, Schlüsselwörter, Beschreibung usw.) und RDF-Informationen in Nodes gibt es ebenso Module zur Verwaltung. Für die automatische Ergänzung bzw. Veränderung von Texten mit Meta-Informationen z.B. auch für eine Verknüpfung mit einem Glossar oder Verknüpfung von Akronymen mit ihren „Übersetzungen“ gibt es fertige Module. Das Filter-System (siehe 4.1) ermöglicht eine einfache Realisation einer individuellen, automatisierten Verwaltung von Meta-Informationen.
Eine elementare Annotation von Texten z.B. wie im Ikorbo-Konzept des Autors beschrieben [Lo03] würde eine komplette, granulare Veränderung von Texten mit sich bringen. Auch hierzu ließe sich Drupal nutzen, da Inhalte sowohl vor dem Abspeichern in der Datenbank als auch vor der Ausgabe komplett per Programmierung verändert werden können.
Daten aufbereten, präsentieren und finden
Innerhalb von Text-Feldern können Benutzer unterschiedliche Eingabe-Formate nutzen, die mit unterschiedlichen Editoren und Filtern verbunden sind. Das Filter-System ermöglicht es, Inhalte vor der Ausgabe zu modifizieren ohne die Nodes zu verändern. Neben der Ergänzung von Texten mit Zusatz-Informationen (siehe auch 3.3) können auf diesem Weg vor allem problematische HTML-Befehle ausgefiltert und z. B. E-Mail- Adressen maskiert werden. Individuelle Filter – auch zum Ersetzen von Text- Fragmenten – werden mit entsprechenden Modulen ohne Programmierkenntnisse ermöglicht.
Der Drupal-Kern ermöglicht eine Indexierung und Gewichtung von Inhalten für die Volltext-Suche. Da diese nicht sehr schnell ist, lassen sich externe Volltext-Such- Technologien wie z. B. Apache Solr einbinden. Ein globales Suchen und dauerhaftes Ersetzen von Texten in der Datenbank ist mit dem Modul Search and Replace Scanner möglich.
Ein einfacher Weg zum Suchen, Laden, Filtern, Sortieren und Anzeigen von Informationen aus der Datenbank bietet das Views-Modul ganz ohne Programmierung. Auf diesem Weg lassen sich vor allem Listen unterschiedlicher Art erzeugen, wie z. B. „neueste Kommentare“. Das Modul Bulk-Operations zum Bearbeiten der angezeigten Informationen, erlaubt z. B. das schnelle Erstellen von Moderations-Werkzeugen.
Die Unterscheidung von Inhaltstypen ermöglicht entsprechende Suchfilter auch in der internen Volltext-Suchmaschine, die das Kern-System bereit stellt, wie auch die Suche nach Autoren und Tags. Das Views-Modul ermöglicht es zudem, diverse Filter auch als Anzeige-Modifikation der Datenbank-Abfrage zu definieren. Diese beschriebenen Möglichkeiten sind vor allem effizient, wenn die/der Suchende schon weiß, was er/sie sucht. Das Konzept der Facettensuche, bei dem eine Volltext-Suche zunächst alle Ergebnisse präsentiert, aber dazu diverse Facetten wie Tags, Autoren Inhaltstypen oder CCK-Felder als mögliche Filter selbständig präsentiert, ist auch mit Drupal möglich. Die Facettensuche ist bei erfolgreichen Webshops schon lange im Einsatz5
5 Siehe z.B. http://www.amazon.de/ oder http://www.ebay.de/
Wenn Web-Dienste eine externe Kommunikation ermöglichen, gibt es häufig Module, um diese mit Drupal zu verbinden. Auf der anderen Seite gibt es viele Daten- Schnittstellen, die Drupal selbst bereit stellen kann, um Informationen auf unterschiedliche Weise auszugeben oder entgegen nehmen zu können. Insbesondere RSS- und iCal-Feeds eignen sich zum einfachen und plattformübergreifenden Daten- Austausch. Drupal kann z. B. auch sehr flexibel mit dem Views-Modul diese Daten bereit stellen und z. B. mit dem Feeds-Modul sehr flexibel automatisch einlesen und weiter verarbeiten.